Zwischen Kostendruck und Ausfallrisiko
Der Kostendruck mittelständischer Unternehmen steigt. Maschinenbauer, Automobilzulieferer, Bauunternehmen und andere produzierende Firmen leiden unter wachsenden Aufwendungen für Personal, Energie und Vorprodukte. In dieser angespannten Lage können Betriebsunterbrechungen, die zu den kostenträchtigsten Risiken zählen, sogar existenzgefährdend sein. Gerade dann, wenn durch den erhöhten Kostendruck der Deckungsumfang zu gering gewählt wird, um eine Prämienersparnis zu realisieren.
Denn die Wertschöpfungsprozesse vieler Unternehmen sind intern miteinander verflochten und in ein empfindliches Netz von Zulieferern und Kunden eingebunden. Deshalb müssen Unternehmen mit weitreichenden Folgen rechnen, wenn ein Brand, eine Explosion oder ein Wetterereignis eine Anlage, eine Werk- oder Lagerhalle zerstört oder gleich einen ganzen Produktionskomplex.
Ein Schaden kann dann nicht nur die Prozesse des betroffenen Standorts lahmlegen, sondern auch diejenigen zwischen voneinander abhängigen Betrieben eines Unternehmens. Jedes kritische Ereignis kann weite Kreise ziehen, bis hin zur Unterbrechung der Lieferfähigkeit an die Kunden.
Umfassende Konsequenzen
Die Folge ist ein unmittelbarer Umsatz- und Ertragseinbruch. Zudem drohen Vertragsstrafen, wenn Verträge mit Kunden nicht eingehalten werden; diese können dann auch geleistete Vorfinanzierungen zurückfordern. Die Kostenseite wird auch belastet, wenn Abnahmeverpflichtungen, die mit Zulieferern vereinbart wurden, weiter bestehen.
Unternehmen, die bislang von großen Schäden verschont blieben, haben jedoch meist keine realistischen Schadenbilder vor Augen; sie unterschätzen oft das räumliche Ausmaß in Verbindung mit dem Sachschaden. Mehr noch unterschätzen sie einen zweiten wichtigen Punkt: die Zeit, in der sie nach einem solchen Schaden wieder voll produktions- und lieferfähig sind.
Die Länge dieser Ausfallzeit hängt von vielen Faktoren ab: Wie lange dauert es, bis eine zerstörte Schlüsselmaschine ersetzt werden kann? Wie viel Zeit braucht es, bis der Neubau einer abgebrannten Halle geplant, ausgeschrieben und errichtet ist? Wie zeitaufwändig ist die Wiederherstellung komplexer Produktionsstrukturen? Je nach Schadenbild können die Ausfall- bzw. Wiederanlaufzeiten mehrere Monate bis Jahre betragen — deutlich länger als häufig angenommen. Erlöse werden in diesem Zeitraum nicht erzielt; die Kosten zum Beispiel für Löhne und Gehälter laufen dabei weiter.
Resilienter werden
Doch Unternehmen können etwas dafür tun, um ihre Widerstandskraft rund um Betriebsunterbrechungen zu stärken und resilient zu werden. So sollten sie zum einen in ihre Schadenprävention investieren, etwa in einen wirkungsvollen Brandschutz. Zum anderen ist die Überlegung zum Business Continuity Management wichtig, welche zentralen Prozesse von einem anderen Betrieb des Unternehmens, einer Tochtergesellschaft oder einem Dritten übernommen werden können.
Wichtig ist zudem eine passgenaue Versicherung, die finanzielle Verluste rund um potenzielle Betriebsunterbrechungen angemessen ausgleicht. Unternehmen stecken hier in einem Zwiespalt aus Kostendruck und ausreichender Versicherungsdeckung. Weil ihnen die entscheidenden Fakten fehlen, kaufen sie dann entweder zu geringe Kapazitäten am Markt ein oder aufgrund pauschaler Annahmen zu viel. Problematisch ist dabei auch oft, dass Ausfallzeiten unterschätzt und entsprechende Haftzeiten zu kurz gewählt werden.
Mit analytischer Klarheit
Wer sich gegen die finanziellen Verluste durch Betriebsunterbrechungen richtig absichern will, sollte also seine Risiken kennen und auch verstehen, zu welchen Schadenbildern und Kosten sie führen können. Dann geht es darum, mit geeigneten Präventionsmaßnahmen vor allem wirtschaftlich wichtige Bereiche und Prozesse zu schützen und sich mit geeigneten Notfallplänen umgehende Handlungssicherheit in einer kritischen Lage zu verschaffen.
Verbleibende finanzielle Risiken können dann mit Blick auf relevante Schadenbilder so auf Versicherungen übertragen werden, dass sowohl die Versicherungssummen als auch die Haftzeit und Leistungsstrecke zur Lage des Unternehmens passen.
Die Basis für eine gezielte Absicherung ist eine individuelle Betriebsunterbrechungs-Analyse: Sie macht transparent, welche Prozesse kritisch sind, welche Wiederanlaufzeiten realistisch sind und wie hoch dann das finanzielle Risiko ausfällt. Nur so lassen sich Prävention, Notfallorganisation und Versicherung sinnvoll verzahnen.
Es geht um eine individuelle Betrachtung, für die es analytische, betriebswirtschaftliche und ingenieurtechnische Kompetenzen braucht, am besten in Verbindung mit einer umfassenden Versicherungsexpertise. Betriebsunterbrechungen lassen sich damit zwar nicht vermeiden, deren potenzielle finanzielle Gefahren jedoch erkennen, um sie dann wirkungsvoll und wirtschaftlich reduzieren zu können.


